Transplantationsgeschichte 1900 bis 1959

Karl Landsteiner

1901
Der Wiener Karl Landsteiner entdeckt die Blutgruppen-AB0-System.

1902
Erste vorübergehend erfolgreiche Nierentransplantation beim Hund durch den Wiener Chirurgen Emerich Ullmann. Publikation der Gefäßanastomosen-Technik durch den Pariser Chirurgen Alexis Carrel.

1905
Die erste experimentelle Herztransplantation in Wien an einem Hund.

1906
Erste Versuche der Nierentransplantation vom Tier auf den Menschen. Diese Operationen scheiterten. Der österreichische Augenarzt Eduard Konrad Zirm führte die erste erfolgreiche Hornhauttransplantation mit einer menschlichen Hornhaut.

Alexis Carrel

1908
Die Amerikaner Alexis Carrel und Charles Claude Guthrie entdeckten, dass durch eine künstliche Hyphothermie der Organe der Stoffwechsel vermindert werden kann und sie damit länger zu konservieren sind. Darüber hinaus untersuchten sie die biochemischen Bedingungen der Funktion von Transplantaten im Empfängerkörper.

Eine, mit Eigenorganen vorgenommene Transplantation bei einem Hund war ein langfristiger Erfolg -das Tier überlebte mehrere Jahre.
Alle anderen Versuche zwischen genetisch unterschiedlichen Tieren scheiterten an der einsetzenden Abstoßungsreaktion. Das veranlasste den Mediziner zu der Annahme eines "unbekannten Moments" bei Transplantationen.

Als Alexis Carrel 1908 ein Hundeherz an die Halsgefäße eines anderen Tieres anschloss, wollte er nur die Funktionsfähigkeit der Gefäßnähte beweisen. Dafür bekam er später den Nobelpreis. Ganz nebenbei hatte er als erster ein Herz transplantiert, das zwei Stunden schlug.

1912
Der Pathologe Görge Schöne äußerte als erster die Vermutung, dass die Abstoßung von Transplantaten nicht auf eine Unverträglichkeit von Blutgruppen zurückzuführen ist, sondern auf einen Immunprozess: Fremde Eiweißstoffe wirken im Körper  als Antigen, das die Bildung spezifischer Antikörper provoziert. Sie stoßen die Immunreaktion an. Normalerweise richtet sich diese Schutzfunktion gegen eindringende Bakterien und Viren, ebenso jedoch auch gegen verpflanzte Organe.

1945
Peter Medawar
, Immunologe in Oxford, zeigt, dass die Abstoßung eines Transplantats die Folge einer aktiven Immunisierung ist. Er erhält 1960 den Nobelpreis.

1947
David M. Hume scheiterte in Boston die erste Nierentransplantation an einer jungen Frau aufgrund der folgenden Abstoßungsreaktionen.

Erste erfolgreiche Nierentransplantation weltweit

1953
Die weltweit erste erfolgreiche Nierentransplantation von einem Lebendspender führt der Chirurg Jean Hamburger in Paris durch. Der 16-jährige Patient, der die Niere seiner Mutter erhält, überlebt jedoch nur kurz.

Murray-surgery

1954
Erste erfolgreiche Nierentransplantation bei eineiigen Zwillingen in Boston. Der Chirurg Joseph Murray wird 1990 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

1955
Claude Welsch
führt die erste Lebertransplantation im Tierversuch durch.

Erste Knochenmarkstransplantation

1957
E. Donall
, von der Columbia Universität in New York, berichtete von seinem ersten klinischen Versuch zur Behandlung von Krebserkrankungen durch die intravenöse Gabe von Knochenmark nach einer intensiven Vorbehandlung durch Medikamente (Chemotherapie) und Bestrahlung- die erste Knochenmarktransplantation.

1958
Der französische Immunologe Jean Dausset entdeckt das HLA-Antigensystem.

1959
Sowohl in Boston (Joseph Murray) als auch in Paris gelang es erstmalig eine Niere zwischen zweieiigen Zwillingen zu transplantieren und die nachfolgende Abstoßung mit Hilfe von Bestrahlung zu begrenzen. Beide Patienten lebten noch 20, bzw. 26 Jahre. 

Ebenfalls in Paris wurde die erste langfristig erfolgreiche Knochenmarktransplantation in Europa durchgeführt. 

Anlässlich ihrer Veröffentlichungen beginnt die Diskussion um ein dem medizinischen Stand entsprechendes Todeskriterium, das irreversible Koma.
Nachdem es Ende der 50er Jahre mit der Entwicklung von Respiratoren möglich geworden ist, Atmung und Kreislauf künstlich aufrecht zu erhalten, beschrieben die beiden Neurophysiologen Mollaret und Goulon erstmals mit dem Begriff "Coma depassé" einen Zustand unterhalb des Komas. In ihm sind keinerlei Lebensäußerungen des Gehirns mehr zu erkennen.

weiter 1960–2000

Quelle: IOP, Berlin / BAG
Mit freundlicher Genehmigung der IOP; Interessengemeinschaft Organtransplantierter Patienten